Großer Mittelklasse-Check unter 500 Euro

Hochdruckreiniger im Vergleich

Sie sind die perfekten Helfer für viele Arbeiten am Haus und im Garten: Hochdruckreiniger der Mittelklasse sind nicht billig, aber leistungsstärker und solider gebaut als Einsteigergeräte. Lohnt sich die Mehrausgabe? Wir haben Hochdruckreiniger unter 500 Euro von Bosch, Husqvarna, Kärcher und Stihl getestet.

 
Hochdruckreiniger im Test © Christian Bordes
Hochdruckreiniger sind vielseitig einsetzbar. Wir haben vier Geräte getestet.

Wie erkennt man Qualität, welche funktionalen Details helfen bei der Arbeit mit einem Hochdruckreiniger? Neben den Leistungsdaten sind es die Bedienelemente der Hochdruckreiniger, die den Unterschied machen.

Hochdruckreiniger im Test: Bosch, Husqvarna, Kärcher und Stihl

So sind wir beim Hochdruckreiniger-Test vorgegangen: Zusammenbau der Funktionsteile, Bedienung, Verstauen von Anschlusskabel und Druckschlauch sowie Fahren auf verschiedenen Untergründen und Standsicherheit im Betrieb der Hochdruckreiniger. Anschließend testeten wir die Reinigungsleistung der Hochdruckreiniger mit Flachstrahl- und Rotordüse auf allen Untergründen (Holz, lackierte Flächen, Beton, Bodenplatten und Mauerwerk). In der praktischen Prüfung wird die Betriebssicherheit der Hochdruckreiniger betrachtet - darunter die Wasserdichtheit und das Verhalten im Dauerbetrieb. Außerhalb der Wertung haben wir, soweit verfügbar, Hochdruckreiniger mit Systemzubehör betrieben.

1. Bosch Advanced Aquatak 150


Standfest und leistungsstark – der „Tresor“ in der Leistungsklasse um 2 Kilowatt.

Technische Daten:

  • Betriebsdruck: 110 bar
  • Förderleistung: 450 Liter/Stunde
  • Leistungsaufnahme: 2.200 Watt
  • Gewicht: 21 kg
  • Abmessungen (Breite x Tiefe x Höhe): 360 x 350 x 750 mm
  • Länge Druckschlauch: 8 Meter
  • Länge Stromkabel: 5 Meter
  • Zubehör: Strahlrohre mit Rotor- und Flachstrahldüse, Pistole, Reinigungsmitteltank
  • UVP / Straßenpreis: 400 / 330 Euro

Positiv:

  • Gute bis sehr gute Ergebnisse beim Reinigen mit und ohne Zusatz
  • ​Menge des Reinigungsmittels per Stellrad am Behälter dosierbar
  • Bügelgriff auf 99 cm ausziehbar
  • Aussenliegender Wasserfilter
  • Standsicher dank hohem Gewicht und großer Standfläche

Negativ:

  • Druckschlauch wenig flexibel
  • Ein-/Aus-Schalter in Bodennähe

Fazit: Eine imposante Erscheinung, die sich auch im hohen Gewicht widerspiegelt. Die Fahr- und Rangiereigenschaften sind dank großer Räder und weiter Spurbreite die besten, die Standsicherheit beim Arbeiten exzellent. Das Wichtigste: Beim Reinigen gibt sich der Aquatak von Bosch keine Blöße. Der Ein-Aus-Schalter sollte höher positioniert sein. Praktisch: der einsehbare Wasserfilter. Der Handgriff ist auf 99 cm Höhe ausziehbar. Der Hochdruckreiniger von Bosch zeichnet sich allgemein durch eine hohe Verarbeitungsqualität aus.

Gesamturteil: Gut
 

 

2. Husqvarna PW 360


Der gehobene Standard der Mittelkasse: Leistungsstarke Motor-  und Pumpwerkeinheit, Druckschlauch auf Kabeltrommel.

Technische Daten:

  • Betriebsdruck: 145 bar
  • Förderleistung: 410 Liter / Stunde
  • Leistungsaufnahme: 2.300 Watt
  • Gewicht: 21 kg
  • Abmessungen (Breite x Tiefe x Höhe): 340 x 355 x 705 mm
  • Länge Druckschlauch: 10 Meter
  • Länge Stromkabel: 5 Meter
  • Zubehör: Rotor- und Flachstrahldüse, Strahlrohr, Pistole und Reinigungsmitteltank
  • UVP / Straßenpreis: 449 / 400 Euro

Positiv:

  • Gute bis sehr gute Ergebnisse beim Reinigen mit und ohne Zusatz
  • Dosierung des Reinigungsmittels durch Drehen der Flachstrahldüse
  • Betriebsgeräusch niedrig
  • Schlauchtrommel mit Führung für den Druckschlauch
  • Gute Standsicherheit

Negativ:

  • Hoher Preis, zweitteuerstes Gerät im Test

Fazit: Er ist wie geschaffen für die größeren und regelmäßigen Reinigungsvorhaben. Die Technik im Gehäuseinneren läßt auf ein langes Geräteleben hoffen. Ausstattungen von der Trommel des Druckschlauchs über die Pistole bis zur Kabelaufwicklung sind robust ausgeführt und unterstützen die Arbeit mit dem Husqvarna-Hochdruckreiniger.

Gesamturteil: Gut
 

3. Kärcher K5 Premium Full Control


Die nächste Generation? Ein Reiniger mit einem Strahlrohr für alle Anwendungen und Funkverbindung zwischen Pistole und Gerät.

Technische Daten:

  • Betriebsdruck: 125 bar
  • Förderleistung: 450 Liter / Stunde
  • Leistungsaufnahme: 2.100 Watt
  • Gewicht: 15,5 kg
  • Abmessungen (Breite x Tiefe x Höhe): 305 x 411 x 584 mm
  • Länge Druckschlauch: 8 Meter
  • Länge Stromkabel: 5 Meter
  • Zubehör: Pistole mit Druckvorwahl und digitaler Anzeige, Strahlart am Strahlrohr einstellbar
  • UVP / Straßenpreis: 430 / 290 Euro

Vorteile:

  • Innovatives Bedienkonzept: Ein strahlrohr für alle Anwendungen
  • Drucksteuerung per Tipptasten „+/-“ am Pistolengriff
  • Standplatz für Reinigungsmittel, Zugabe direkt aus dem Behälter
  • Leichtes, kompaktes Gerät

Nachteile:

  • Kabelhalterung wirkt provisorisch
  • Stromversorgung der Pistole (Funkverbindung, Display) mit Batterien

Fazit: Mit 15,5 kg Gewicht ein leichter, im Einsatz ein großer – der Hochdruckreiniger von Kärcher punktet in allen wichtigen Kriterien. Die Reinigungsleistung ist sehr gut. Anwender wird die Handhabung begeistern. Mit einem Strahlrohr erledigt der K5 alle Jobs, an der Pistole wird mittels Tastendruck die Wassermenge gesteuert.

Gesamturteil: Sehr gut
 

4. Stihl RE 129 Plus


Kompaktes Gehäuse mit nützlichen Details wie Zubehörfach vorne und guter Organisation von Netzkabel und Druckschlauch.

Technische Daten:

  • Betriebsdruck: 135 bar
  • Förderleistung: 420 Liter / Stunde
  • Leistungsaufnahme: 2.300 Watt
  • Gewicht: 20 kg
  • Abmessungen (Breite x Tiefe x Höhe): 340 x 355 x 705 mm
  • Länge Druckschlauch: 9 Meter
  • Länge Stromkabel: 5 Meter
  • Zubehör: Rotor- und Flachstrahldüse, Düsennadel, Strahlrohr, Pistole und Reinigungsmitteltank
  • UVP / Straßenpreis: 539 / 440 Euro

Positiv:

  • Gute bis sehr gute Ergebnisse beim Reinigen mit und ohne Zusatz
  • Dosierung des Reinigungsmittels durch drehen der Flachstrahldüse
  • Betriebsgeräusch niedrig
  • Schlauchtrommel mit Führung für den Druckschlauch
  • Gute standsicherheit

Negativ:

  • Teuerstes Gerät im Test mit einem Verkaufspreis von etwa 450 Euro

Fazit: Wenn sich das Fazit des Stihl Re 129 Plus so liest wie das des Husqvarna PW 360, gibt es einen einfachen Grund: Sie sind weitestgehend baugleich und weichen nur in der Gehäusefarbe und wenigen, nicht entscheidenden Details voneinander ab. Der Hochdruckreiniger von Stihl sieht etwas gefälliger aus, die Leistung beider Geräte ist gleichwertig.

Gesamturteil: Gut

 

Hochdruckreiniger im Test: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

  • Förderleistung: Die Hochdruckreiniger der Mittelklasse drücken bis zu 450 Liter in der Stunde durch ihre Düsen. Eine gute Abstimmung von Wassermenge und Druck vorausgesetzt, sind damit auch anspruchsvollere Reinigungstätigkeiten möglich.
  • Leistungsaufnahme: Eine Leistungsaufnahme von mehr als 2 kW ist in der Mittelklasse üblich. Hervorragende Reinigungsergebnisse sind garantiert, wenn der eigene Stromanschluss entsprechend lieferfähig ist.
  • Stecksystem: Die Verbindung zwischen Pistole und Strahlrohr oder Strahlrohr und Düse muss dicht sein und dem eingestellten Arbeitsdruck standhalten. Verlässlich und sicher sind Bajonettverbindungen, die zusammengeführt und mit einer Vierteldrehung gesichert werden.
  • Kabelaufwicklung: Ein lose umherfliegendes Netzkabel ist weder beim Verstauen noch beim Arbeiten willkommen. Die Möglichkeit, Kabel aufzuwickeln und das Ende zu sichern, ist ein Komfortgewinn.
  • Schlauchtrommel: Bei den bis zu 10 m langen und etwas steifen Schläuchen sind Schlauchtrommeln eine willkommene Hilfe. Die Schlauchlänge sollte mindestens 8 m betragen, sonst wird der Aktionsradius unnötig eingeschränkt und häufiges Umsetzen des Geräts nötig.
  • Reinigungsmittel: Mit einer Ausnahme haben alle Testgeräte einen extra Behälter, den man befüllt und auf die Lanze aufsteckt oder der am Gerät verbleibt. Wichtig ist, dass die Menge des Reinigungszusatzes dosierbar ist, zum Beispiel mittels Ventil – sonst wird’s teuer.
  • Direkter Zugriff: Ablagen für Reinigungsmittel, Stell- und Steckplätze für Pistole, Strahlrohre und Düsen sollten unmittelbar am Gerät und ohne Barrieren erreichbar sein.
  • Pumpwerk: Ein Motor treibt eine Taumelscheibe an, die die Bewegungen der Kolben steuert. Hochwertige materialien, etwa Aluminium, verlängern die Lebensdauer.
  • Motorkühlung: Eine hohe Leistung führt zu einem „ungesunden“ hohen Wärmeaufkommen des Motors. Mit dem durchlaufenden Wasser zu kühlen, ist klug und die beste Lebensversicherung fürs Aggregat. Ein geschlossener Kühlmantel reduziert den Geräuschpegel.
  • Räder: Größe, Belag und Spurbreite haben unmittelbaren Einfluß auf die Fahreigenschaften und die Standsicherheit im geparkten, arbeitsbereiten Zustand.
  • Wasserdruck: Im dauerbetrieb deutlich mehr als 100 bar, teils sogar noch höher – mit dem enormen Betriebsdruck lassen sich auch hartnäckige Verschmutzungen entfernen. Man muss aber den passenden Aufsatz wählen, sich rantasten, denn selbst Beton und Natursteine haben weiche stellen.
  • Bügelgriff: Ob beim Heben ins Auto mit niedrig eingestelltem Griffelement oder beim Transport über den Gehweg mit voll ausgezogenem Griff: Wie ein Rollkoffer werden die bis zu etwa 20 kg schweren Geräte transport- und manövrierfähig. Tipp: Das Gerät vor dem kauf probehalber tragen und rollen.

Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger: Arbeitsschutz

Es ist zwar „nur“ Wasser und eventuell etwas Reinigungsmittel, aber vor den Leistungen der Hochdruckreiniger sollte man nie den Respekt verlieren. Bei den Reinigungsvorgängen werden Steine und Holzfasern aufgewirbelt, die üble Verletzungen verursachen können. Geeignete Arbeitshandschuhe und ein Augenschutz sind daher Pflicht, das Tragen hoher Gummistiefel oder anderem, vor Dreck und Spritzwasser schützendem Schuhwerk ebenso empfehlenswert.

Wie funktioniert ein Hochdruckreiniger?

Das Herz des Hochdruckreinigers ist die Hochdruckpumpe. Angetrieben von einem Elektromotor, bei unseren Testgeräten mit einer Leistungsaufnahme von rund 2.000 Watt, wird eine Taumelscheibe in einer rotierenden, kippelnden Bewegung gehalten. Diese permanente Lageveränderung betätigt die bis zu vier Kolben, je nach Gerät. Ein Kolben saugt Wasser aus der Zuleitung und auf seinem Weg nach oben presst er es in Richtung der Strahldüse – bis zu 2.800-mal pro Minute. Die Flachstrahldüse ist geeignet für empfindliche Oberflächen wie Holz und Sandstein, die Dreckfräse (auch: Rotorfräse) ist ein Punktstrahler gegen hartnäckigen Schmutz.

Vorsicht beim Reinigen von Gartenmöbeln aus Holz mit dem Hochdruckreiniger: Hart- und Weichhölzer (auch Terrassendecks) kapitulieren vor zu hartem Wasserstrahl. Sie spleißen und verlieren Fasern. Die Oberfläche wird rau, das erneute Vergrünen befördert. Mit geeignetem Reinigungsmittel, speziellem Aufsatz und weichem Wasserstrahl werden Hölzer schonend gereinigt. Hier erfahren Sie mehr über die Pflege von Holzterrassen.

Beim Reinigen von Holzmöbeln sollte man vorsichtig sein.

Sicheres Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger zu Hause

  • Leistung des Wasseranschlusses: Liefert ihr Anschluss die nötige Wassermenge? Wasser eine Minute laufen lassen und die Menge im Eimer messen. Mit 60 (Minuten) multipliziert, ergibt das die angelieferte Menge pro Stunde.
  • Leistung des Stromanschlusses: Eine Absicherung von 16 oder 20 Ampere ist nötig, die Steckdose sollte mit einem Fehlerstromschutzschalter (30 ma) gesichert sein.
  • Verlängerungskabel: Gummileitung (2,5 mm2) und Kabeltrommel müssen für den Aussenbereich geeignet und spritzwassergeschützt (iP 44) sein.
  • Wasserdichte Verbindungen: Wo bei den Steckverbindungen Wasser austritt, kann auch Luft eindringen und auf Dauer das Pumpwerk schädigen.
  • Gerät nach Gebrauch entleeren: Die Wasserzufuhr schliessen und das Wasser aus dem Gerät ein bis zwei Minuten abpumpen. Schützt auch vor Frostschäden im Winterlager.

Autowäsche mit dem Hochdruckreiniger: Ist das erlaubt?

Einige Hersteller von Hochdruckreinigern bieten Sets an, die für die Autowäsche taugen. Ein Verbot der Wäsche vor der Haustür gibt es nicht, aber: Mit dem Wasser werden Teer, Öl und andere Rückstände gelöst – und deren Einleitung ins Grundwasser ist strafbar. Deshalb: SB-Waschbox oder Waschanlage nutzen.

U. Weiß
Fotos: 
Bordes
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